07.04.2012 | Stadio San Siro | Serie A


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Der Besuch des Stadio Giuseppe Meazza, auch San Siro genannt, zählt zum
Muss auf der Landkarte eines jeden Fussballsüchtigen. Auch mir schwirrten schon lange Gedanken an einen Abstecher zu diesem ehrwürdigen Fußball Tempel im Kopf herum. An der Motivation haperte es also nicht, und somit war die Reiseplanung schnell abgeschlossen. Der Hin & Rückflug konnte praktischerweise bei einer allseits beliebten Berliner Fluggesellschaft erworben werden. Wegen fehlender Angebote und der „neuen“ Kerosinsteuer wurde keine Rücksicht auf den Geldbeutel genommen und die erstbesten Tickets geordert. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Mein Gewissen konnte ich jedoch kurze Zeit später mit „Schnäppchen“ bei der Hotelsuche sowie der Eintrittskarte (18,00€ Haupttribüne), beruhigen. Italiens zweitgrößte Metropole Mailand lockte zu diesem Zeitpunkt bereits mit angenehmen 12-20°C, welches den erhofften Einsatz meiner kurzen Hosen notwendig machte.
Mit der „Regionalbahn“ erreichte ich in 45 Minuten den Zentralbahnhof im Nordosten des Zentrums. Das von mir gewählte Hotel lag von dort nur zehn Minuten zu Fuß entfernt. Von nun an sollte ich bis auf eine kurze Fahrt mit der historischen Straßenbahn (einfach genial die Teile), alle meine Ziele in den nächsten Tagen
„per pedes“ erreichen. Dass Mailand als das Zentrum Italiens gilt, was Wirtschaft, Mode, usw. betrifft, wurde mir sofort klar.

Designerläden, Edelkarossen, Prunk und vermeintliche Topmodels soweit das Auge reicht. Natürlich ist mit dem Mailänder Dom, dem weltberühmten Opernhaus und verschiedenen Kunstschätzen (darunter das Abendmahl Leonardo da Vincis), auch für Freunde des gepflegten Sightseeing jede Menge Potenzial vorhanden.
Am Spieltag selbst erreichte ich das Stadio Guiseppe Meazza nach einem ausgiebigen Fußmarsch von 2 1/2 Stunden ungefähr 90 Minuten vor Anpfiff. Bereits von einiger Entfernung konnte ich die umgrenzenden Türme, welche den 3. Ring sowie die Dachkonstruktion tragen, erkennen. Die eben benannten Türme dienen ebenfalls als Aufgänge zu den oberen Rängen. Der Begriff „imposant“ ist für dieses Bauwerk meines Erachtens absolut passend.

Im Oberrang der Haupttribüne angekommen, suchte ich schnell einen idealen Platz und genoss die ersten Eindrücke. Schöne steile Tribünen und einen genialen Blick auf die Curva Sud Milano, das Spielfeld sowie auf die gesamte Stadt Mailand.
Heute sollten sich 58.646 Zuschauer einfinden, sodass ca. 3/4 der Gesamtkapazität (80.074) erreicht wurde.
Schon früh begann die Heimseite damit Ihre gewaltigen Banner (curva sud milano, ultras 1976, vecchia maniera, emilia romagna und estremi rimedi) aufzuhängen. Im Oberrang, links von mir konnte sich derweil der Gästeanhang mit 60 Tifosi mehr als breit machen. Bereits zum Warmmachen der Mannschaften wurde es das erste Mal richtig laut. Zum Einlaufen der Mannschaften zeigte die Curva Sud eine kleine Choreographie mit 2 Blockfahnen. Auf diesen waren das Logo der Curva Sud und das Vereinsemblem des A.C. Milano abgebildet.

Zur Abrundung des Ganzen gab es den Spruch „Forza Ragazzi“ davor sowie rote Pappen und kleine Handfahnen an den Seiten. Der Einsatz von einigen großen Schwenkern trug ebenfalls zu einem kompakten Bild bei. Im Nachhinein kann ich den „Mailanisti“ einen soliden Auftritt bescheinigen. Mit lauten Gesängen und durchgehendem Armeinsatz war der Oberrang durchweg aktiv.

Ihre Helden auf dem Spielfeld legten auch sofort gut los und gingen durch einen Elfmeter von Ibrahimovic in Führung. Aufgrund der Tabellensituation, A.C. Milan als Tabellenführer gegen den akut abstiegsgefährdeten A.C. Fiorentina, waren 3 Punkte fest einge plant. Das Heimteam spielte zwar schön auf, vergaß jedoch die Führung auszubauen. Es kam, was kommen musste: Der Gast glich nicht nur aus, sondern schaffte 2 Minuten vor Schluss noch den Siegtreffer zum Endstand von 1:2. Matchwinner wurde der kurz zuvor eingewechselte Amauri.

Auf den Rängen herrschte nun Friedhofsatmosphäre. Im Gästeblock war jetzt kollektives Ausrasten angesagt. Die 60 mitgereisten Tifosi sprangen nun oberkörperfrei durch den gesamten Block. Der Heimanhang verließ nach Abpfiff fluchtartig das Stadion und ließ mich mein Umfeld noch ein paar Minuten genießen. Durch den Sieg von Juventus Turin im Abendspiel gaben die Mailänder somit die Tabellenführung ab und sollten diese auch nicht wieder einnehmen können. Für mich hielt Mailand noch ein paar sonnenverwöhnte Tage bereit, die ich auch zu genießen wusste.